2. Gebot: Kommandos
II. Kommandos kurz und prägnant!
Wir Hunde nehmen von eurer Sprache nur die erste, vielleicht noch die ersten beiden Silben wahr. Wenn du mir nun sagst: „Beljak-mach-bitte-schön-Platz“, dann kommt bei mir „Beljak“; wenn du viel Glück hast vielleicht noch „Beljak-mach“ an. Bei: „Beljak-komm-bitte-zu-Frauchen“: ebenfalls nur „Beljak“. Und bei beiden „Beljak’s“ soll ich wissen, was ich machen soll?!
Vermeide bitte Bindewörter wie „und“: „Komm-hier-und-Sitz“. Die machen mir das Leben zur Hölle -was gilt da eigentlich? Oder noch schlimmer sind die Aneinanderreihung von widersprüchlichen Kommandos oder das Erzählen von Romanen nach dem Motto viel hilft viel: „Und-da-kommscht-du-jetzt-her-und-sofort-aber-Platz-Fiffi“. Das kommt mir aber sehr als spanisch vor. Das Kommando heißt entweder „Hier“ oder „Platz“. Damit kann ich, wenn es mir richtig vermittelt wurde, auch etwas anfangen. Mach es mir nicht schwerer, als es bereits ist. Bedenke immer, dass ich die Bedeutung eurer Sprache nicht verstehe. Für mich sind lediglich die Laute (das Tonvolumen) bedeutsam und ich verbinden sie mit ihrer Körpersprache oder mit etwas bereits „Einstudiertem“.
Sei so gut und machen eine kleine Pause zwischen „Beljak“ und dem anschließenden Kommando. Dadurch kann ich mich auf das neue Kommando konzentrieren. Der Ruf meines Hundenamens sollte wirklich nur die Aufgabe haben, dass ich auf dich aufmerksam werde und darauf warte, welches Kommando nun kommt.
Versuch’s mal mit Gemütlichkeit …. nein, nein! natürlich: … Versuch’s mal mit verschiedenen Stimmlagen nach mir zu rufen -hoch oder tief-. Wirscht’s sehen, hohe Tonlagen sind für mich immer interessanter! Und dann erzählen mir die Leute, dass die Hunde deshalb besser auf Männer hören, weil sie eine tiefe Stimme haben. Mein „Männchen“ hört sich manchmal wie ein Eunuch an –aber es wirkt und nicht nur bei mir!
Meine Freundin „Baghira“ hat Schlappohren und wenn die beim Ruf: „Baghira“ Stehohren bekommt, dann hat ihr Frauchen die richtige Tonlage erwischt. Die sollte sie sich unbedingt merken!
Wegen der Sprachschwierigkeiten mit euch Menschen bin ich für ein zusätzliches Sichtzeichen neben dem Kommando (Hörzeichen) als Hilfestellung sehr dankbar. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr als für „Sitz“ den „deutschen Autofahrergruß“ verwendet. Später habt’s ihr dann auch die Möglichkeit, mich ausschließlich über Sichtzeichen zu steuern (ihr müsst deshalb aber nicht gleich zum Hundeflüsterer werden). Sichtzeichen werden von mir viel schneller erfasst und leichter verstanden und sie prägen sich besser ein. Das können wir bereits bei meinen Welpen beobachten. Wenn du ihnen etwas Futter hinhältst, setzen die sich immer gleich hin. Dann brauchst du nur noch kurz vorher das Lautzeichen „Sitz“ zu geben. Und schon haben wir etwas gelernt. Nur nicht vergessen, am Anfang gleich wieder vom Kommando „Sitz“ zu befreien (z.B. mit Kommando „Lauf“), sonst steht Klein Welpe von sich aus auf und du hast verloren. Weil er nämlich etwas entschieden hat und nicht du!
Später sind wir dann schon in der Lage, ganze Sätze durch die Körpersprache unserer Menschen zu interpretieren. Wie sonst könnten wir auf Kommandos in Englisch, Bajuwarisch oder Chinesisch reagieren? Bitte hilf mir. Verwende immer nur das gleiche Kommando. Und natürlich als Hilfestellung auch das Sichtzeichen nicht vergessen. Deswegen im Voraus für gleichlautende und prägnante Kommandos meinen herzlichsten Dank.
Vergiss dabei nicht, dass alle Familienmitglieder und alle die etwas mit mir zu tun haben, die gleichen Kommandos verwenden sollten!
Durch sehr häufiges Wiederholen sind wir Hunde in der Lage, aus umfangreichen Sätzen die richtigen Worte zu filtern. Wenn du immer sagst: „Geh ins Auto!“, wenn ich ins Auto springen soll, ist Auto für mich das Schlüsselwort. Falls du aber glaubst, dass ich bei dem Kommando: „Jetzt aber nicht ins Auto“ ich dennoch ins Auto springe, liegst du voll und ganz richtig. Jetzt weist du auch, warum man möglichst sich stark unterscheidende Worte als Kommando verwenden sollte.